{"id":117,"date":"2020-11-16T15:47:43","date_gmt":"2020-11-16T14:47:43","guid":{"rendered":"https:\/\/phillip-pietsch.wtf\/?p=117"},"modified":"2020-11-16T15:47:43","modified_gmt":"2020-11-16T14:47:43","slug":"verschwiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/phillip-pietsch.wtf\/?p=117","title":{"rendered":"Verschwiegen"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Hinweis: Diese Geschichte ist frei erfunden. Allerdings ist sie teilweise sehr traurig und wird teilweise explizit. Bitte lese, diese Geschichte nur, wenn du dich bereit daf\u00fcr f\u00fchlst. Sollte es dir nach dem Lesen der Geschichte schlecht gehen, suche dir Hilfe.<\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Es ist empfohlen, die anderen Geschichten (I hope Just Another Story, Das Spiegelbild, Deine Entscheidung und Hope) zu lesen, da dann Denkweisen und Handlungen besser verstanden werden k\u00f6nnen. <\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Es gibt eine begleitende Musikplaylist. Sie ist zum Anh\u00f6ren, w\u00e4hrend dem Lesen, aber die Lieder sind nicht an bestimmte Abschnitte gebunden. Link: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLeY9d37XnfOcaqv3Mm93ub6GBKJ1g2qIq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLeY9d37XnfOcaqv3Mm93ub6GBKJ1g2qIq<\/a><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die einfache Frage<\/h3>\n\n\n\n<p>Darf ich dir eine einfache Frage stellen? Wenn du deine Augen \u00f6ffnest, was siehts du? Siehst du Reflektionen? Siehst du Auswirkungen von chemischen Prozessen? Siehst du elektrische Signale? Und was davon ist die Wahrheit? Was siehst du? Welche dieser Aussagen siehst du? Oder ist die Frage nicht so einfach? Oder liegt ihr eine elementare Frage zu Grunde, welche doch so eindeutig gestellt wird, dass sie dir nicht auff\u00e4llt?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erlaubt<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich mache meine Augen auf. Ich hebe meine Hand und schaue sie an. Eine Skeletthand, wie ich sie im Charakter-Editor gesehen habe. &lt;Dir scheint dein Charakter zu gefallen.&gt; sagt Felix erfreut zu mir. Er durfte meinen Charakter erstellen und hat eine wirklich gute Arbeit gemacht. &lt;Der Charakter ist wundersch\u00f6n. Du hast dir richtig viel M\u00fche gegeben.&gt; sage ich fasziniert, w\u00e4hrend ich meinen K\u00f6rper weiter betrachte. &lt;Danke f\u00fcr das Kompliment.&gt; antwortet er lachend. Sein Avatar tr\u00e4gt einen wei\u00dfen Anzug, mit pinken Designelementen. &lt;Das Event beginnt bald, wir sollten los&gt; sagt er zu mir, w\u00e4hrend er mir seine Hand hinh\u00e4lt. Z\u00f6gerlich greife ich nach der Hand. Er bemerkt es und beruhigt mich mit &lt;In dieser Welt d\u00fcrfen wir das.&gt;. Ich antworte ihm l\u00e4chelnd &lt;Das stimmt.&gt;. Nachdem ich seine Hand genommen habe, gehen wir einen Gang entlang, wir wollen zu einer neuen Quest. Es ist eine Art Schnitzeljagd in einem Grusel-Theme mit individuellen Aufgaben und Orten. &lt;Keine Sorge, ich bring dir am Anfang der Quest noch die weitere Steuerung bei und wir k\u00f6nnen dir eine Ausr\u00fcstung besorgen.&gt; sagt Felix zu mir, als wir an einem gro\u00dfen Platz ankommen. In der Mitte steht eine Statue, wo Teile bereits fehlten, um uns herum sind verwahrloste B\u00fcsche und Pflanzen. Rechts war eine kleine Mauer, an der Steine fehlen und sehr viele Spinnweben h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Felix sieht mich l\u00e4chelnd an. Es f\u00fchlt sich an, wie am ersten Tag. Doch mit einem Unterschied. Hier d\u00fcrfen wir, wir sein. Hier k\u00f6nnen wir lachen. Hier schaut uns kein Mensch bl\u00f6d an. Ich l\u00e4chle zur\u00fcck. &lt;Das wird bestimmt ein cooles Event.&gt; sage ich zu ihm. &lt;Bestimmt. Du bist ja schlie\u00dflich bei mir.&gt; antwortet er mir lachend.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verboten<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich und Felix steigen aus der U-Bahn aus. Wir gehen schweigend nebeneinander. Ich w\u00fcrde gerne seine Hand halten, aber dann w\u00fcrden uns die Menschen mit ihren Blicken verletzen. Ich schaue zu Felix, als er dies bemerkt setzt er ein gezwungenes L\u00e4cheln auf. Wir m\u00f6chten auf eine Demonstration f\u00fcr die Freiheit des Internets. Unter anderem sollen Virtual-Reallity-Games verboten werden. Freiheit ist ein sch\u00f6nes Wort. In Freiheit zu leben w\u00e4re wunderbar. Ich l\u00e4chle zur\u00fcck. Wir gehen zur Rolltreppe und fahren auf die Erdoberfl\u00e4che. Kaum haben wir die Station verlassen, sind die ersten Demonstrierenden zu sehen. Sie halten ihre Schilder mit Aufschriften wie \u201eKeep the Internet free\u201c oder \u201eSave the internet\u201c nach oben. Ich und Felix haben bevor wir losfahren gefahren sind noch Schilder gebastelt. Wir holen unsere Schilder aus dem Rucksack.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele verschiedene Menschen ums herum, mein Boyfriend neben mir. Aber kein Gef\u00fchl von Sicherheit. Rechts vorne stehen unz\u00e4hlige Polizeifahrzeuge. Die Demonstration ist umzingelt von Polizist*innen. W\u00e4hrend die Demonstrierenden absolut Friedlich sind, kommen immer mehr schwer gepanzerte Polizist*innen nach.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besser<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Du bist!&gt; ruft ein Kind. Die Kinder spielen gerade Fangen. Sie lachen in diesen dunklen Zeiten. &lt;Ihr habt ja Spa\u00df.&gt; sage ich zu ihnen. Sie bleiben stehen und rennen auf mich zu w\u00e4hrend sie schreien &lt;Anna du musst auch Spa\u00df haben!&gt;. Ich nehme sie in die Arme. &lt;Ich bin Erwachsen, ich muss nicht lachen.&gt; antworte ich mit einem L\u00e4cheln. &lt;Also wenn ich gro\u00df bin, dann werde ich immer lachen.&gt; ruft mir ein Kind fest entschlossen entgegen. &lt;Ja genau!&gt; rufen die anderen Kinder. &lt;Jetzt m\u00fcsst ihr erstmal etwas essen. Damit ihr gro\u00df und stark werdet.&gt; sage ich zu ihnen. Sie folgen mir in die K\u00fcche, wo das Essen wartet. &lt;Oh nee, nicht schon wieder das gleiche.&gt; sagt eines der Kinder. &lt;Wir essen seit Wochen das gleiche.&gt; sagt ein anderes. &lt;Ich wei\u00df, &gt; beginne ich &lt;aber leider kann ich euch nichts anderes anbieten.&gt; Wie gerne w\u00fcrde ich ihnen die kulinarische Vielfalt zeigen. Aber wir m\u00fcssen Leben mit dem, was wir haben. Sie sollen zumindest nicht hungern. Was ist das? Die Sirenen! Sie sind wieder zu h\u00f6ren! &lt;Schnell Kinder! Wir m\u00fcssen in den Bunker!&gt; schreie ich und nehme die Kinder an die Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re es nicht sch\u00f6n ohne Krieg? In einer Welt in der alle Menschen ein Dach \u00fcber den Kopf haben? Eine Welt in der alle Menschen gen\u00fcgend zum Essen haben, jede*r Mensch Bildung bekommt. Eine Welt in der wir alle in Freiheit und Selbstbestimmung leben k\u00f6nnen? Eine Welt in der wir gemeinsam zusammenarbeiten. Eine Welt in der wir alle gemeinsam lachen k\u00f6nnen. Ich bin wohl eingeschlafen. Ich \u00f6ffne meine Augen, die Kinder sind ebenfalls eingeschlafen. Es ist sehr dunkel im Bunker.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Selbstbestimmung<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Ach, ist die Madame auch mal fertig.&gt; meckert mich meine Mutter an. &lt;Es ist heute doch keine Schule oder sowas. Also was ist das Problem?&gt; antworte ich genervt. Ich gehe weiter in die K\u00fcche um etwas zu essen. &lt;Was das Problem ist?&gt; beginnt meine Mutter w\u00fctend schreiend &lt;Dass unsere Tochter anscheinend nicht wei\u00df, was es hei\u00dft aus dem Hause Hito zu kommen!&gt;. &lt;Oh, tut mir leid Frau Selina Hito. Entschuldigen Sie bitte, dass ich ein eigenst\u00e4ndiges Lebewesen bin.&gt; antworte ich sehr sarkastisch darauf. W\u00e4hrenddessen mache ich mir etwas zum Essen. &lt;Kommst du Schwester? Wir m\u00fcssen los!&gt; ruft mein Bruder aus dem Gang. &lt;Was habt ihr denn schon wieder vor? Wollt ihr schon wieder auf eine dieser Demonstrationen? Ihr bleibt zuhause!&gt; schreit meine Mutter. &lt;Ja nat\u00fcrlich! Wir wollen ja ein Recht auf selbstbestimmtes Leben. Ich wei\u00df die W\u00f6rter sind neu f\u00fcr dich.&gt; ruft mein Bruder aus dem Gang. Als ich bemerke das meine Mutter aufsteht um uns am Verlassen des Hauses zu hindern, nehme ich mein Essen und eile zu meinem Bruder. Mein Bruder und ich verlassen sehr schnell das Haus unter w\u00fctenden Rufen unserer Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>&lt;Sie wird das nie verstehen, oder?&gt; fragt mich mein Bruder. &lt;Ne nicht wirklich.&gt; antworte ich mit einem Seufzer. Unsere Mutter ist bereits 51 Jahre alt und arbeitet in einer Beh\u00f6rde. &lt;Aber jetzt mal zu einem tollen Thema.&gt; beginnt mein Bruder mit einem L\u00e4cheln im Gesicht &lt;In einer Woche ist dein 16. Geburtstag.&gt;. &lt;Ein weiteres nutzloses Jahr auf dieser Welt. Toll.&gt; antworte ich ihm. Er l\u00e4chelt mich an. &lt;Stimmt schon, aber trotzdem kommst du nicht dran vorbei.&gt; antwortet er mir lachend. &lt;Hast du unsere Schilder?&gt; frage ich ihn umso auch vom Thema abzulenken. &lt;Nat\u00fcrlich!&gt; antwortet er mir und hebt einen Beutel hoch. &lt;Los, lass uns das Gesetz brechen.&gt; sagt mein Bruder zu mir.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verschweigen<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Guten Tag, Frau Jinken.> begr\u00fc\u00dft mich Herr Nozomu, der gew\u00e4hlte Vize-Pr\u00e4sident. &lt;Guten Tag.> antworte ich. &lt;Sie wissen bestimmt, warum ich hier bin.> sagt er zu mir. &lt;Ja, das wei\u00df ich.> sage ich lachend. &lt;Aber warum? Ohne Verteidiger*in. Mit einer gro\u00dfen Selbstanklage. Sie haben die Menschen in die Freiheit gef\u00fchrt. Sie sollten Gefeiert werden und nicht im Gef\u00e4ngnis sitzen.> sagt er zu mir. &lt;Eine Massenm\u00f6rderin feiern?> sage ich sehr fragend. &lt;Hatten sie eine Wahl? Konnten sie etwas anderes tun?> fragt er mich entschlossen. &lt;Ja, die hatte ich. Wir haben eine Wahl und wir tragen die Verantwortung f\u00fcr unsere Wahl. Meine Wahl war der Weg des Blutes. Eine Wahl die im Gegensatz steht zu dem was ich geschaffen habe. Einen Staat der Menschenrechte. Ich habe so viele Rechte verletzt, das ich mich daf\u00fcr verantworten muss.> antworte ich entschlossen unter Tr\u00e4nen. &lt;Aber die Menschen brauchen dich!> antwortet er. &lt;Du verstehst eine Sache nicht. Wir alle sind Autor*innen. Ein*e Autor*in entscheidet, was in einer Geschichte steht. Diese Person entscheidet wie wir Menschen sehen. Diese Person entscheidet was wir empfinden. Genau das machen wir Menschen auch. Wir erkl\u00e4ren Mensch als gut oder schlecht, auf Basis von Dingen. Wir entscheiden, wie wir Geschichten erz\u00e4hlen. Ob wir die falsche Geschichte einer glorreichen Heldin erz\u00e4hlen oder die Wahrheit von der Massenm\u00f6rderin.> antworte ich ihm fest entschlossen. &lt;Ja, aber du bist die glorreiche Heldin!> antwortet er mir sichtlich w\u00fctend. &lt;Und genau das ist der Fehler. Geschichten ziehen von der Realit\u00e4t immer einen Teil ab \u2013 mal mehr, mal weniger. Wir sind in einer Schleife, die sich immer und immer wiederholt. Weil die Menschen nicht verstehen, dass zwischen Geschichte und Wahrheit eine Differenz ist. Das ich nicht immer die Geschichte als gut dastehen lassen kann. Und doch haben sie den Drang dazu es zu tun und wundern sich danach \u00fcber die Folgen.>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inh\u00e4rent<\/h3>\n\n\n\n<p>Mein Bruder steht in einem schicken Anzug neben mir. Ich habe ein schlichtes Kleid an. &lt;Du siehst fantastisch aus.&gt; sagt er zu mir. &lt;Wirklich?&gt; frage ich ihn sichtlich nerv\u00f6s. Heute ist ein besonderer Tag. Heute ist die Hochzeit mit meiner Geliebten. Ich fange an zu zittern. Meine Freundin hat so viele Menschen eingeladen, darunter ihre Oma, welche den letzten Krieg noch miterleben musste. Es beginnt, mein Bruder nimmt mich in den Arm und begleitet mich zur standesamtlichen Trauung.&nbsp; Ich bin beim Beamten angekommen und konnte mich gerade umdrehen, da wurde auch schon meine Freundin in den Raum gebracht. Sie sieht wunderbar aus. Ich versuche meine Tr\u00e4nen zur\u00fcck zu halten und beginne breit zu l\u00e4cheln. Wer w\u00fcnscht sich das nicht? Ein*e Partner*in f\u00fcr das Leben zu finden. Eine Person die du verstehst, aber die Person auch dich versteht. Eine Person mit der Mensch durch das Leben gehen kann. Sie kommt n\u00e4her zu mir. Es wird der sch\u00f6nste Tag meines Lebens. Doch was ist das? Sie stockt. Sie f\u00e4llt. Sie beginnt zu Bluten. Ich eile zu ihr. Ihr Gesicht ist blass. Ich schaue meine H\u00e4nde an. Sie sind voll mit Blut. Ich weiche zur\u00fcck und fange an zu zittern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wache auf. Ich liege auf einer Wiese. Wie bin ich hierhergekommen? Ich f\u00fchle mich nicht gut. Benommen versuche ich aufzustehen. Doch ich schaffe es nicht. W\u00e4hrend dem zweiten Versuch kommen mir einige Erinnerungen wieder. Ich beginne schwer zu atmen und zu zittern. Ich schaue auf meine H\u00e4nde. Meine H\u00e4nde. An ihnen ist Blut. Mein ganzer K\u00f6rper sch\u00fcttelt sich. Das ist ihr Blut. Ich sehe ihre Leiche vor meinen Augen. Wie sie da liegt, erschossen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leben und Exestieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Die alte Zeit. Damals als ich und &nbsp;Alex uns kennenlernten in einem Pub. Als ich Alex im Park gefunden habe und ich danach Alex\u2018s Boyfriend wurde. Das erste Mal, wo wir gemeinsam ein Virtual-Reality-Game gespielt haben. Und danach? Die Regierung wurde immer autorit\u00e4rer, die Menschen hatten immer weniger Rechte. Wir waren damals auch auf Demonstrationen, wie so viele andere vor allem junge Menschen. Aber nach einigen Jahren wurden auch diese verboten. Es stand unter Strafe eine Demonstration zu organisieren oder eine zu Besuchen. Vor knapp zehn Jahren gab es einen blutigen Anschlag auf eine dieser illegalen Demonstrationen. Kurz darauf \u00fcbernahm das Regime die Macht.&nbsp; Morgen feiert es ihr acht j\u00e4hriges Bestehen. Zum Gl\u00fcck muss Alex das nicht mehr erleben. Wir durften nie heiraten oder uns trauen lassen. Wir durften nie H\u00e4ndchen haltend durch die Stadt gehen, noch gemeinsam wohnen. Alex war auf Medikamente angewiesen. Medikamente, die wir irgendwann nicht mehr bekamen. Die letzten gemeinsamen Tage, die sich schrecklich angef\u00fchlt haben, aber mir auch gezeigt haben, was Liebe bedeutet. Und Alex muss das hier nicht ertragen. Arbeitslager, wo Menschen unter Sklaverei und Hunger ausgebeutet werden. Wo der Mensch niedriger als ein Tier ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor mir steht eine stark abgemagerte Frau. Ich glaube ihr Nachname war Hito, aber sie hasst diesen Namen. Sie schl\u00e4ft \u00fcber mir und jedes Jahr sieht sie zum Jubil\u00e4um sehr traurig aus. Klar jeder von uns verabscheut das Regime. Aber bei ihr scheint es nicht nur Hass \u00fcber das Regime zu sein. Sie wirkt eher als w\u00fcrde sie Personen vermissen. Sie war nie eine Person die viel gesagt hat oder viel Soziale Interaktion gesucht h\u00e4tte. Sie hat sich nie f\u00fcr Menschen interessiert. Auch wenn Menschen miteinander k\u00e4mpften, war es ihr egal.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Leben danach<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Ich werde eines Tages Arzt, dann kann ich jedem Menschen helfen.&gt; sagt das eine Kind zum anderen. &lt;Dann musst du, aber sehr viel \u00fcber Biologie und Medizin wissen.&gt; sage ich lachend zu dem Kind. &lt;Und ich werde eines Tages Politiker, der f\u00fcr die Menschenrechte eintritt.&gt; sagt ein anderes. &lt;Es scheint als w\u00fcrdet ihr die Geschichten m\u00f6gen.&gt; beginne ich mit Tr\u00e4nen in den Augen &lt; Es ist so schade, dass ihr nie Freiheit und Selbstbestimmung erlebt habt. Aber eines Tages wird das ganze hier vorbei sein. Und dann d\u00fcrft ihr, tuen was ihr m\u00f6chtet.&gt; Ich versuche nicht zu weinen. &lt;Nozo wir brauchen dich mal kurz.&gt; ruft ein Mensch hinter mir. &lt;Klar, ich komme.&gt; antworte ich. Nozo ist eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr meinen Nachnamen Nozomu. Ich stehe auf und gehe zur Person. &lt;Es ist mal wieder passiert. Wir k\u00fcmmern uns gerade um die S\u00e4uberung. Kannst du darauf achten, dass die Kinder hier im Raum bleiben?&gt; fl\u00fcstert mir die Person zu. Ich atme tief ein und aus und antworte leise &lt;Schon wieder? Klar kann ich machen.&gt;. &lt;Ja, leider.&gt; fl\u00fcstert mir wiederum die andere Person zu. Sie wirkt traurig, aber verl\u00e4sst direkt nach dem Gespr\u00e4ch den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe zur\u00fcck zu den Kindern. &lt;Was machen wir denn jetzt? Wollt ihr spielen, wie ihr in der Zukunft leben wollt?&gt; sage ich mit einem gefakten L\u00e4cheln zu den Kindern. Die Kinder stimmen direkt zu und beginnen sich zu verkleiden.<\/p>\n\n\n\n<p>&lt;Guten Tag, ich w\u00fcrde gern ein Brot kaufen.&gt; sagt eines der Kinder zu einem Kind, dass an etwas Tisch\u00e4hnlichem stand. &lt;Klar gerne, das macht dann 1 Euro&gt; antwortet das andere Kind. Ist es nicht sch\u00f6n, wie diese Kinder ein normales Leben spielen? Ein Leben in Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung. Mit 16 kam ich damals in dieses Lager. Eine Kindheit durfte ich nie haben. Aber vielleicht d\u00fcrfen diese Kinder daf\u00fcr ein tolles Leben haben. &lt;Hey, warum weinst du?&gt; spricht mich ein Kind an. Ich wische unauff\u00e4llig meine Tr\u00e4nen weg. &lt;Ich weine nicht, ich freue mich.&gt; antworte ich dem Kind mit einem L\u00e4cheln. &lt;Was hast du in deiner Kindheit gespielt?&gt; fragt es mich neugierig. &lt;Wir sind aus der Realit\u00e4t geflohen in eine Virtuelle Welt.&gt; antworte ich dem Kind mit Tr\u00e4nen. &lt;Was hei\u00dft virtuelle Welt?&gt; fragt es mich sehr interessiert. &lt;Nun,&gt; beginne ich weinend &lt;eine Welt, die nicht in der Realit\u00e4t existiert, aber du konntest in ihr sein, was du wolltest. Aber diese Welt wurde uns genommen.&gt;. Ich hebe meinen Finger und zeige auf den Kopf von Anna und sage &lt;Aber die Welt in deinem Kopf, kann dir keiner nehmen.&gt;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schleife<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Aber doch erz\u00e4hlen die Menschen deine Geschichte. Die Geschichte der Heldin.> antwortet er mir. &lt;Das tun sie. Wie eine ganz gro\u00dfe Schleife. Aufstehen \u2013 Dinge tuen \u2013 Schlafen. Doch was tun wir? Bei mir ist die Wahrheit die folgende: Aufstehen \u2013 Menschen t\u00f6ten \u2013 Menschen leiden lassen \u2013 Schlafen. Aber es ist nur die allt\u00e4gliche Schleife. Da sind so viele Schleifen um uns herum. Egal was wir tun, am Ende scheint es immer und immer wieder das gleiche zu sein. Denn die Wahrheit ist, dass der Mensch unn\u00fctz ist. Er versteht noch nicht einmal seine eigene Dynamik.> sage ich ernst zu ihm. Bevor er antworten kann, erg\u00e4nze ich weinend &lt;Und du wei\u00dft wie Grausam die Menschen sein k\u00f6nnen. Darf ich dich an die Akte Sidney erinnern? Ein Android dessen Leben absolut qualvoll war und es nicht mehr ertragen hat. Aber anstatt ihn ruhen zu lassen, haben die Menschen Sidney immer und immer wieder zur\u00fcckgesetzt. Damit sie mit jedem Zur\u00fccksetzen ein neues psychisches Experiment durchf\u00fchren konnten. Sie haben das einige Jahre lang gemacht. Aber sie haben nicht aus Moral und Ethik aufgeh\u00f6rt, sondern weil sie ihr Ziel nicht erreichen konnten.>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lerne<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Still gestanden!&gt; ruft ein Mann in Uniform. &lt;Ihr seid teilweise die Evolution der Menschheit!&gt; schreit uns dieser Herr an. Eine andere Person kommt in den Raum. Es ist eine Frau, die sich vor der Tafel aufbaut. &lt;Willkommen in der Schule. Wir werden heute \u00fcber Menschen reden. Welche Kriterien erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, um ein Mensch zu sein.&gt; sagt diese sehr energisch zu uns. Die uniformierte Person verabschiedet sich. Die Lehrkraft schaltet den Beamer ein und beginnt zu reden &lt;Ihr seid alles Kinder die wir aufgelesen haben. Einige von euch sind es nicht Wert den Titel Mensch zu tragen.&gt;. Als der Beamer fertig gestartet war, zeigte sie auf die erste Folie und begann uns eindringlich anzuschauen und erkl\u00e4rte &lt;Das wichtigste Merkmal eines Menschen ist die Loyalit\u00e4t zum System. Das System will nur die Menschheit sch\u00fctzen. Jeder Abk\u00f6mmling muss gemeldet werden! Ansonsten steht die gesamte Menschheit auf dem Spiel!&gt;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Unterricht ging nur dar\u00fcber, wie ein Mensch zu denken, zu f\u00fchlen und zu handeln hat. Am Ende des Unterrichtes begann sie jede*n Sch\u00fcler*in zu fragen, ob er*sie dem folgen werde. Das M\u00e4dchen neben mir ist als erstes an der Reihe, sie wird gefragt, ob sie die Regeln befolgen wird. Sie antwortet mit einem Nein darauf. Noch ehe wir begreifen, was passiert, wird sie von Uniformierten Personen aus dem Klassenzimmer gebracht. Die Lehrkraft ist sichtlich ver\u00e4rgert und geht weiter zu mir. &lt;Kyle Sa, wirst du die Regeln um ein Mensch zu sein befolgen?&gt; fragt sie mich. &lt;Ja&gt; antworte ich ver\u00e4ngstigt. Sie k\u00f6nnen doch nicht! Sie tun es. Ich halte meine Tr\u00e4nen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lass die Maske fallen<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4re meine Geliebte entt\u00e4uscht? W\u00e4re mein Bruder entt\u00e4uscht? &lt;Das Recht auf Leben hat jeder Mensch> war ihre letzte Botschaft. Ich sch\u00fcttle mich. W\u00fcrden sie mich verstehen? W\u00fcrden sie noch mit mir reden? Ich wollte mich nie der Auseinandersetzung stellen. Lieber habe ich den ganzen Tag Staatsplanungen gemacht und mich mit Drogen abgelenkt. Ich kann mich nicht selber ansehen, ohne das Blut zu sehen. Wie es meine Hand benetzt und langsam meinen Arm herunterl\u00e4uft. Wie viele Menschen da drau\u00dfen haben das gleiche erlebt? Wie viele Menschen haben Personen verloren, die ihnen wichtig waren. Wie viel hatten nicht die Chance zu sagen: &lt;Ich liebe dich.>. Und doch hocke ich hier und habe das als Ausrede genutzt. Als Ausrede um nicht mit mir klar zu kommen. Als Ausrede um mich nicht mit meinen Problemen auseinander zu setzen. Aber dabei h\u00e4tte ich mich fr\u00fcher retten m\u00fcssen. Ich habe dem Dunkeln in mir, den Platz gegeben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wiederholung<\/h3>\n\n\n\n<p>Kyle hat uns vor einer Stunde geweckt. Mittlerweile haben wir uns aufgerappelt und auf den Feldbetten um das Lagerfeuer herumgesetzt. &lt;Du Kyle?> frage ich vorsichtig. &lt;Ja?> antwortet Kyle h\u00f6fflich. &lt;Wie ist es zu dieser Welt gekommen?> frage ich vorsichtig. Kyle wirkt bei seiner Antwort traurig &lt;Wollt ihr das wirklich wissen?>. Wir nicken alle zustimmend. Kyle beginnt zu erz\u00e4hlen &lt;Vieles wei\u00df ich auch nur von meiner Mutter Anna Sa. Sie ist in einem Land gro\u00df geworden, wo sich einige wenige als Menschen angesehen haben. Wer nicht als Mensch angesehen wurde, musste arbeiten bis zum Tod unter Sklaverei. Allerdings kam es zur Revolution unter dem Kommando der ersten Pr\u00e4sidentin und sie konnten das Regime besiegen. Die Pr\u00e4sidentin starb sp\u00e4ter im Gef\u00e4ngnis an einen Drogenentzug. Aber das Land lebte weiter. Den Menschen ging es immer besser. Aber das Land wurde von vielen anderen L\u00e4ndern ge\u00e4chtet. Die Lage spitzte sich zu, bis es eines Tages die ersten Bomben gab. Wie mehr Bomben fielen, desto mehr L\u00e4nder nahmen an diesem Krieg teil. Meine Mutter versuchte mich und meine Geschwister zu sch\u00fctzen. Kurz vor dem Ende des Krieges, gab es ein Bombenangriff auf unser Haus. Meine Mutter und meine Geschwister starben. Ich wurde wenig sp\u00e4ter von Soldat*innen gefunden und in ein Camp gebracht. Dieses Lager wurde Zentrum der Welt genannt. Schwer bewaffnete Personen konnten allerdings in einer Nacht erfolgreich pushen und erkl\u00e4rten sich selbst zur einzigen sch\u00fctzenswerten Menschheit und verstie\u00dfen alle andere. Ich bin mit 23 Jahren, dann aus diesem Zentrum gefl\u00fcchtet. Ich habe versucht, sie vor ihrer Energiegewinnung zu warnen.>. Kyle wischte sich die Tr\u00e4nen weg und zitterte. Wir sa\u00dfen Sprachlos da. Menschen sind Grauenhaft, dass wussten wir schon. Aber so Grauenhaft?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Maskenball<\/h3>\n\n\n\n<p>&lt;Aber jetzt haben wir die M\u00f6glichkeit, nicht mehr so Grausam zu sein> sagst du zu mir. Ich antworte dir entsetzt &lt;Du verstehst einen Fakt nicht. Wir Menschen lieben es Geschichten nach unserem Wunsch zu schreiben. Wir lieben es die Geschichten anderer zu zerlegen, aber vor unserer eigenen weichen wir zur\u00fcck. Ein Mensch hat so viele Masken, die er aufsetzt. Die Maske f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit, die Maske f\u00fcr Eltern, die Maske f\u00fcr Freunde, die Maske f\u00fcr den*die Partner*in, die Maske f\u00fcr den Best Friend. Aber auch die Maske, in der wir uns sehen. Und genau da liegt das Problem. Wir ziehen eine Maske auf, weil wir uns selber nicht m\u00f6gen, weil wir es selber nicht schaffen mit Gef\u00fchlen und Erinnerungen umzugehen. Wir ziehen uns eine Form an, die uns das gef\u00fchlt gibt, das Richtige zu tun. Aber das Richtige tuen, dass muss ich ohne Maske. Ich muss vor dem Spiegel stehen und wissen was ich getan habe und warum ich das getan habe. Aber die Elementare Frage daf\u00fcr die sich ein jeder Mensch stellen muss ist: Wer bin ich?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Diese Geschichte ist frei erfunden. Allerdings ist sie teilweise sehr traurig und wird teilweise explizit. Bitte lese, diese Geschichte nur, wenn du dich bereit daf\u00fcr f\u00fchlst. Sollte es dir nach dem Lesen der Geschichte schlecht gehen, suche dir Hilfe. 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